Pflegekosten: Über die Hälfte muss selbst finanziert werden
Bis 2050 wird sich die Zahl der Pflegefälle in Deutschland fast verdoppeln. Trotz gesetzlicher Pflegeversicherung werden die Betroffenen oft massiv finanziell belastet. Experten der Deutschen Bank raten deshalb, sich rechtzeitig privat abzusichern.
Eigentlich ist es eine gute Nachricht. 2010 waren rund 600.000 Deutsche mindestens 90 Jahre alt, im Jahr 2050 werden es schon 2,2 Millionen sein. Die steigende Lebenserwartung hat jedoch eine Schattenseite: Mit der wachsenden Zahl der Senioren werden auch die Pflegefälle weiter zunehmen. Nach einer Prognose des Deutschen Instituts für Altersvorsorge werden 2050 in Deutschland 4,4 Millionen Menschen pflegebedürftig sein – fast doppelt so viele wie heute.
Für die Betroffenen bringt die Pflege nicht nur persönliche, sondern oft auch massive finanzielle Belastungen mit sich. Zwar gehört seit 1995 jeder, der gesetzlich krankenversichert ist, automatisch der sozialen Pflegeversicherung an. Doch deren Leistungen reichen im Ernstfall meist nicht aus. So zahlt der Staat bei stationärer Pflege im Heim derzeit zwischen 1.023 und 1.510 Euro monatlich, je nach Pflegestufe. Die tatsächlichen Heimkosten liegen aber im Schnitt bei 2.300 bis 3.300 Euro. Die Pflegebedürftigen müssen also über die Hälfte der Pflegekosten selbst finanzieren.
Wie teuer das werden kann, zeigt ein Beispiel: Ein Pflegepatient wird fünf Jahre lang im Heim betreut. In der Pflegestufe II fällt dafür ein durchschnittlicher Eigenaufwand von über 1.400 Euro monatlich an. Im Laufe der Zeit ergibt sich so eine Summe von rund 85.000 Euro, die selbst aufzubringen ist. Damit sind eventuell vorhandene Rücklagen im Handumdrehen aufgebraucht. Und dieses Risiko trägt nicht nur der Pflegebedürftige selbst, sondern auch seine Familie. Denn wenn Eltern nicht mehr genug Geld für die eigene Pflege haben, sind ihre Kinder grundsätzlich zur Zahlung von Unterhalt verpflichtet. Selbst Vermögensgegenstände wie Aktien oder andere Wertpapiere müssen dann unter Umständen veräußert werden, um die Pflegekosten zu bestreiten.
Deutsche Bank Experten empfehlen deshalb, rechtzeitig privat vorzusorgen. Wer eine private Pflegeversicherung abschließt, kann später die Kosten der Pflege ganz oder teilweise abdecken. Um den eigenen Bedarf optimal abzubilden, sollte dabei eine individuelle Absicherung der einzelnen Pflegestufen möglich sein. Sinnvoll ist auch eine Dynamisierung der Beiträge und Leistungen, um das Inflationsrisiko auszugleichen. Stephan Moltzen, Vorsorge-Experte der Deutschen Bank, erläutert: „Jeder Dritte in der Altersgruppe ab 80 Jahren wird zum Pflegefall; das führt zu erheblichen finanziellen Risiken. Deshalb lohnt es sich in jedem Fall, privat vorzusorgen. So sichert man sich selbst ab und schützt gleichzeitig sein eigenes Vermögen und das seiner Angehörigen. Wer schon in jüngeren Jahren einsteigt, kann die gleichen Leistungen mit deutlich niedrigeren Beiträgen absichern.“










