Trotz großer Nachfrage überlegt kaufen
Die Nachfrage nach Wohnimmobilien ist in Deutschland derzeit groß. Die Bundesbürger setzen – nicht zuletzt aufgrund der Erfahrungen der vergangen Finanzkrise – bei ihrer Geldanlage verstärkt auf Substanzwerte wie Immobilien. Vor allem in größeren Städten und Ballungsgebieten ist die Nachfrage nach Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern aktuell spürbar größer als das Angebot. Dazu kommt die Befürchtung, dass der im September 2010 begonnene Anstieg bei den Bauzinsen weitergehen könnte. Schnell wollen sich viele Bundesbürger die im historischen Vergleich noch immer sehr günstigen Zinsen sichern. Bei der PSD Bank München eG kostet aktuell ein Darlehen in Höhe von 100.000 Euro mit 10jähriger Zinsfestschreibung bei einer 1-prozentigen Tilgung 3,95 Prozent.
Doch trotz dieser immer noch günstigen Rahmenbedingungen dürfen sich die Häuslebauer in spe nicht unter Zeitdruck setzen lassen. „Ansonsten zahlt man für die Immobilie schnell einen überhöhten Preis. Dann kann der Vorteil einer Finanzierungsersparnis schnell wieder aufgezehrt sein“, warnt Paul Reitzle, Teamleiter Baufinanzierung von der PSD Bank München eG. Auch sollte genau geprüft werden, ob die angebotene Immobilie von Typ und Lage genau dem eigenen Bedarf entspricht. Denn sonst bereuen die neuen Eigentümer nicht selten die übereilte Entscheidung.
Auch von der Torschlusspanik vieler anderer Interessenten sollte man sich auf keinen Fall anstecken lassen. Das Gleiche gilt für derzeit häufig zu hörende Erklärungen der Verkäufer, dass der Zuschlag für das Objekt nur bei einer ganz schnellen Entscheidung möglich sei. In solchen Fällen sollte man lieber Abstand von dem Geschäft nehmen. Denn Voraussetzung für die richtige Kaufentscheidung ist eine exakte Analyse der Wohnlage und des angebotenen Objektes.
Immobilieninteressenten müssen sich beispielsweise informieren, welche Preise normalerweise in dieser Wohngegend gezahlt werden. Da hilft eine Recherche bei den Verkaufsportalen im Internet, in den regionalen Tageszeitungen oder bei Maklern vor Ort. Darüber hinaus bieten viele Bundesländer, Städte und Gemeinden Informationen im Internet über die üblichen Bodenrichtwerte an.
Weicht der Kaufpreis der angebotenen Immobilie deutlich vom Durchschnitt ab, ist zu prüfen, ob Besonderheiten des Objektes diesen Preisunterschied rechtfertigen.
Um diese Unterschiede herausarbeiten zu können, sollte man sich von einigen Vergleichsobjekten – auch wenn man sich gar nicht dafür interessiert – Unterlagen, Gutachten oder Exposés beschaffen. Falls sich die Preisdifferenz nicht schlüssig erklären lässt, ist vom Kauf abzuraten.
Passt die Infrastruktur für die eigenen Anforderungen? Gibt es etwa genügend Ärzte, Einkaufsmöglichkeiten oder – wichtig für Familien – ein gutes Kindergarten- und Schulangebot?
Außerdem sollten die potentiellen neuen Immobilieneigentümer recherchieren, ob sich in nächster Zeit die Wohnortqualität ändern könnte. Werden beispielsweise Straßen oder Fabriken ausgebaut, sodass mehr Lärm droht, muss das in die Kaufentscheidung einfließen. Ebenso könnte ein Geschäft, das man für die Nahversorgung fest eingeplant hat, demnächst schließen. Eventuell entwickelt sich die Wohnlage ja auch positiv, durch entlastende Umgehungsstraßen oder eine verbesserte Infrastruktur.
Und natürlich muss der Zustand der Immobilie und deren eventueller Renovierungsbedarf – notfalls mit Hilfe eines Bausachverständigen – genauso akribisch geprüft werden wie auch die Eigentümer-Protokolle oder die Teilungserklärung beim Erwerb einer Eigentumswohnung.
Die Kosten für den Bausachverständigen erscheinen in der Regel hoch. Bewahrt Sie dieses Gutachten jedoch vor einer Fehlinvestition oder bestätigt das Gutachten Ihre Wahl, ist dies gut angelegtes Geld.
Bei Kaufentscheidungen unter Zeitdruck können diese notwendigen Überlegungen in der Regel oft nicht angestellt werden. Wer keine Fehlinvestition riskieren will, sollte sich für die Planung genug Zeit lassen.










