WIRTSCHAFT.IN

Mittwoch, 23 Mai 2012

Aktualisiert:07:56:52 AM GMT

You are here Unternehmen & Märkte Bayernoil statt Petroplus?
Banner

Bayernoil statt Petroplus?

  • PDF
2011_1221_Bayernoil

23 Millionen im Feuer
Bayernoil statt Petroplus? 23 Millionen im Feuer

Mit besten Absichten investierte die Stadt Ingolstadt  im letzten Jahr 23 Millionen Euro in das hoch gelobte  Fernwärmeprojekt. Umweltfreundliche Fernwärme, so lautete im Jahr 2011 die (richtige) Devise. Die Stadt Ingolstadt bzw. die Stadtwerke pumpten 23 Millionen Euro in das Fernwärmeprojekt, an dem auch die Raffineriegesellschaft Petroplus, die jetzt Insolvenz angemeldet hat, beteiligt ist/war. Wofür das Geld konkret verwendet wurde, da gehen die Meinungen auseinander. Zum Teil wurde wohl in das Leitungsnetz investiert, ein erheblicher Betrag soll aber auch in technische Anlagen von Petroplus geflossen sein, z. B. in Wärmetauscher, die erforderlich sind, um aus Abwärme Fernwärme zu produzieren. „Petroplus konnte billig produzieren, weil die Stadt Investitionen in der Raffinerie für Petroplus bezahlt hat,“ erläutert ein Insider.

Ist das Geld verloren? Diese Frage muss man sich stellen, zumal OB Alfred Lehmann in der Pressekonferenz am Dienstag erklärte, man habe zwar eine Bürgschaft/Patronatserklärung der Petroplus Holding; diese sei aber möglicherweise wertlos, wenn auch die Holding in Insolvenz gehe. Letzteres ist der Fall. Was mit dieser Bürgschaft abgesichert werden soll, darüber herrscht keine volle Klarheit. Sollten damit die städtischen Investitionen abgesichert werden oder eine von Pertoplus abgegebene Liefergarantie. Nach menschlichem Ermesse ist davon auszugehen, dass  enorme Schadensersatzforderungen auf die Stadt/Stadtwerke zukommen können, wenn diese eingegangene Lieferverpflichtungen gegenüber ihren Kunden (darunter Audi) nicht erfüllen können, weil die von Petroplus zugesagte Lieferung der Fernwärme ausbleibt. Petroplus liefert nämlich an die Stadtwerke, die ihrerseits Verträge mit ihren Kunden, dazu gehört auch Audi, geschlossen haben.
Da die Raffinerie  von Petroplus in Ingolstadt zwar modern und leistungsfähig, aber relativ klein ist, kann es durchaus sein, dass der Betrieb eingestellt wird. Auch mangels Liquidität, die für Öleinkäufe erforderlich ist, kann es zur Schließung kommen.
Das muss aber nicht zwangsläufig bedeuten, dass die Stadt eine Fehlinvestition getätigt hat. Hier könnte namlich Bayernoil einspringen. Wie Geschäftsführer Michael Raue auf Anfrage mitteilte, hat das Landesamt für Umwelt bereits in den Jahren 2004/5 geprüft, ob nicht auch (auf einer zweiten Stufe) Bayernoil aus Vohburg/Neustadt Fernwärme nach Ingolstadt liefern könnte. Noch existieren auch die Leitungssysteme von Vohburg nach Ingolstadt, wo Bayernoil einen weiteren, jetzt geschlossenen, Standort hatte. Durch diese Leitungen könnte auch Fernwärme strömen. Natürlich müssten die Raffinerien in Vohburg/Neustadt dann entsprechend ausgestattet werden, wie dies bei Petroplus der Fall war. Könnte man am Ende von der Stadt finanzierte Wäremtauscher bei Bayernoil einbauen? „Im Prinzip ja“ lautet die Antwort von Michael Raue, aber „Wir brauchen dann einen Vorlauf von circa zwei Jahren, bis wir Fernwärme liefern können“ ergänzt er.
Dann hätte die Stadt das Geld nicht in den Sand gesetzt. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass zwischenzeitlich Engpässe auftreten.

Das aktuelle Espresso Magazin

Das aktuelle Gesundheitsmagazin

AVENTIN - Kultur | Gesellschaft | Wissen

Blickpunkt Wochenende

Follow us

Follow us