Die Europäische Währung und die Zukunft Europas
Zu ihrem Wirtschaftsforum 2011 hat die Sparkasse einen der Gründungsväter des Euros, Dr. Theo Waigel, in den Ingolstädter Festsaal geladen. An die 1500 geladene Gäste u. a. aus Politik und Wirtschaft verfolgten eine informative Diskussion zwischen und dem ehemaligen Finanzminister und Jürgen Seitz, Leitender Wirtschafts-Redakteur ARD/Bayerische Rundfunk.
In seiner Einführung betonte Sparkassenchef Dieter Seehofer, den Unterschied von Sparkasse und Banken. Die Sparkasse ist ein zuverlässiger Finanzpartner und setzt auf ganzheitliche Betreuung und transparente Produkte. "Mit Menschen für Menschen" lautet die Devise. Dabei ist die regionale Aufgabenstellung besonders wichtig.
Mit einem Zitat von Helmut Schmidt über Investmentbanker: „Die haben uns in die Scheiße geritten“ eröffnet Jürgen Seitz den Dialog und begann die Diskussion mit dem ehemaligen Finanzminister Theo Waigel über die Ursachen der aktuellen Finanzkrise in Europa.
Den Ausgangspunkt der Probleme sieht Waigel eindeutig in den USA. Deutschland konnte die Krise mit hohem Geldeinsatz lösen, bei Staaten wie z. B. Italien liegt die Problematik in der Finanzpolitik. Jedoch auch dort sowie in Portugal und Irland zeichnet sich schon eine positive Entwicklung ab. In Griechenland sieht es schlechter aus. Jedoch sieht der ehemalige Minister durchaus auch hier Möglichkeiten zur Stabilisierung. Für Jürgen Seitz stellt sich die Situation in Griechenland wesentlich negativer dar.
Das Aufweichen von Regeln und die fehlende Kontrolle, welche die Staaten (Deutschland und Frankreich) selber geändert hatten, führten nach Meinung Waigels zu diesem dramatischen Vertrauensverlust. Nur mit Glaubwürdigkeit ließe sich eine Sicherheit langfristig wieder aufbauen.
Der von Seitz in die Diskussion gebrachte These, dass sich mit dem Verzicht auf die Deutsche Mark Kanzler Kohl 1990 vor allem Frankreichs Zustimmung zur Wiedervereinigung erkaufte, widerspricht Waigel vehement. Dies sei Wunschdenken der Franzosen. Schon 1988 war der Euro beschlossene Sache und kein Mensch konnte damals eine Wiedervereinigung voraussehen.
Seitz sowie auch Theo Waigel waren sich einig, dass die „klebrige“ Nähe von Regierung und Finanzchefs in den USA die Politik in eine zwiespältige Rolle gedrängt hat. In das hier entstandene Vakuum haben sich die Finanzhaie hineingestürzt. Hier muss die Politik ihr Selbstbewusstsein gegenüber den Mächtigen der Kapitalwelt unter Beweis stellen, und endlich eine globale Ordnung erreichen.
Europa muss eine Alternative zum Angelsächsischen Modell erstellen und regulierend tätig sein. Wenn der Euroraum zusammenbrechen würde, wären das verheerende Aspekte, so Waigel, Deutschland übernimmt damit eine Verantwortung im Vereinten Europa wie nie zuvor.
Abschließend sieht Waigel jedoch 90 % von dem was er als junger Mensch erhofft habe, als geschehen an. „Deutschland gibt ein gutes Bild ab, ich bin stolz auf die deutsche Politik“ so der ehemalige Wirtschaftspolitiker.
In der eineinhalbstündigen Diskussion konnten die Zuhörer höchst hintergründige Standpunkte zu diesem globalen Thema gewinnen und hatten anschließend noch Gelegenheit in entspannter Atmosphäre im Theaterfoyer die Referenten persönlich zu befragen
(py)










