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Mittwoch, 23 Mai 2012

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Badezimmerwaagen lügen!

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Heilmeier_Kieser


Interview mit Petra Heilmeier, Geschäftsführerin Kieser Training, Ingolstadt


Fett ist leichter als Muskulatur:

Was ist Ihr Weg, körperlich
und geistig gesund zu bleiben? P. Heilmeier: Gesunde Ernährung, gepaart mit einer regelmäßigen Kräftigung meiner Muskulatur und Ausdauertraining an der frischen Luft. Blickpunkt: Die Vorzüge gesunder Ernährung und Ausdauertraining sind hinlänglich bekannt, was bedeutet «Kräftigung für die Muskulatur»? P. Heilmeier: Ausdauertraining bewirkt die Stärkung der Lungen, der Belastungsdauer. Sofern es im aeroben Bereich stattfindet, ist es gesund. Aber ohne ausreichende Muskulatur geht nichts. Muskeln sind auch die Diener der inneren Organe. Verfügen Sie über eine gute dauerhafte Skelettmuskulatur, schützen sie sich langfristig vor vielerlei Zivilisationskrankheiten wie zu hohes Cholesterin, Bluthochdruck, Schlaganfall, Diabetes. Sie hat auch einen wesentlichen Effekt bei der Entstehung von Demenzerkrankungen. Wussten Sie, dass sich das Risiko von Demenz mit Krafttraining um 50 % senken lässt? Blickpunkt: Das heißt, Muskelaufbau ist ein wesentlicher Faktor gegen Krankheit? P. Heilmeier: Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass die meisten weniger an einer spezifischen Krankheit sterben als vielmehr an den Folgen eines selbstgewählten Lebensstiles. Jeder Einzelne trifft seine Wahl selbst, entweder Sie erhalten Ihre Kraft durch gezieltes Muskelaufbautraining oder Sie nehmen das Schrumpfen Ihrer Muskulatur und damit einen vemeidbaren Leistungsabfall schon ab der Lebensmitte in Kauf. Unsere Lebenserwartung hat sich durch die moderne Medizin erheblich erhöht. Für mich stellt sich dann aber auch die Frage: Leben wir nicht zu kurz und sterben wir nicht zu lange? Blickpunkt: Warum ist es wichtig, Krafttraining zu betreiben? Reicht nicht normale Bewegung? P. Heilmeier: Nach dem 20. Lebensjahr verliert der Mensch ohne gezieltes Training 250 Gramm Muskulatur pro Jahr. Mit 40 haben Sie also bereits 10 Pfund Muskulatur abgebaut und Ihren Körper Petra Heilmeier Geschäftsführerin schon ganz erheblich geschwächt. Das Fett vermehrt sich nicht im gleichen Tempo, wie sich unsere Muskulatur zurückbildet, sondern dreimal so schnell. Also: Sie verlieren 250 Gramm Muskulatur und erhalten dafür 750 Gramm Fett. Zu allem Überfluss wird diese Umwandlung nicht sofort sichtbar; manchmal braucht es ein halbes Jahrzehnt oder mehr – bis es auch nach außen sichtbar wird. Blickpunkt: Wie funktioniert diese Umwandlung? P. Heilmeier: Der Grund liegt darin, dass überschüssiges Fett inselartig in der Muskulatur eingelagert wird. Irgendwann sind diese Depotmöglichkeiten ausgeschöpft, während sich das Muskelgewebe weiter vermindert. Das Fett muss sich neue Ablagemöglichkeiten suchen und findet sie im Unterhautfettgewebe. Die Folge davon sind dann die dezenten Rundungen, die sich bei der Frau als Hüftgold oder als gewöhnlicher Bierbauch beim Mann darstellen. Blickpunkt: Aber die meisten Menschen kontrollieren doch häufig ihr Gewicht? P. Heilmeier: Badezimmerwaagen lügen! Fett ist leichter als Muskulatur. Diese Tatsache lässt uns oft in falscher Sicherheit verharren. Durch den Ersatz von Muskulatur in zusätzliches Fett ist es durchaus möglich, mit 40 Jahren noch gleich schwer zu sein wie mit 30, aber bereits eine ziemlich verfettete Körperzusammensetzung aufzuweisen. Fügen Sie einem menschlichen Organismus ein Pfund, also 500 Gramm zusätzliche Muskulatur hinzu: Sein Stoffwechsel wird sich um 100 Kalorien pro Tag erhöhen. Das Umgekehrte tritt ein, wenn Sie 500 Gramm Muskulatur entfernen. Der Stoffwechsel sinkt um 100 Kalorien. Fairerweise muss ich aber auch erwähnen, dass Fett über eine stoffwechselmäßige Rate verfügt: pro 500 Gramm Fett 2 Kalorien pro Tag! Diese Umwandlung ist übrigens auch einer der Gründe, warum ältere Menschen meist einen geringeren kalorischen Grundumsatz haben. Blickpunkt: Aber durch Ausdauersport verbrauche ich doch auch Kalorien? P. Heilmeier: Das ist schon richtig. Aber nur der Muskel, der vorhanden ist, verbrennt Kalorien. Und wie Dr. Spitzbart auf einem seiner Seminare sagte: «Die Muskeln erarbeiten Sie sich nur mit Krafttraining ». Durch die Evolution ist der Körper darauf programmiert, nur immer den minimalsten Aufwand zu betreiben. Für Ausdauer sind nicht viele Muskeln nötig. Der Mensch mit seinem hoch entwickelten Verstand kann aber dem Körper das Minimum, zum Beispiel mit Krafttraining, vorgeben. Blickpunkt: Überschätzen Sie nicht ein bisschen die Bedeutung der Muskulatur? P. Heilmeier: Wir leben in einer Welt, in der wir mit viel geistigem Aufwand den Widerstand aus unserem Alltag nehmen. Wer der Schmetterlingsraupe hilft, sich aus dem Kokon herauszuarbeiten, verurteilt sie zum Tode, sie benötigt die Anstrengung als Reiz zur Kraftentwicklung. Nur so wird aus einer Raupe ein Schmetterling. Ist der Widerstand da, entwickelt sich das Leben, bleibt er aus, geht es zugrunde. Nach wie vor genießt das Organ Muskulatur nicht den Respekt, den es verdient. Muskeln sind nicht einfach Gebilde, die über Sehnen am Knochen hängen, sondern sie verrichten vielfältige Aufgaben: n Sie geben uns Halt und setzen uns in Bewegung n Sie schaffen unsere Leistungsfähigkeit n Sie erhöhen unser Wohlbefinden n Sie schützen uns vor Verletzungen n Sie verbrauchen Energie n Sie verbrennen Fett n Sie geben uns gutes Aussehen und n Sie sind stoffwechselmäßig 25-mal so aktiv wie Fett Blickpunkt: Normalerweise benötigt man zum Kräftigen der Muskulatur mehrere Stunden Training pro Woche. Wie ist das bei Kieser Training? P. Heilmeier: Zweimal eine halbe Stunde Training pro Woche genügen. Wenig Zeit, wenn man bedenkt, wie lange die Wartezeiten in den Wartezimmern der Ärzte sind, der Weg zur Apotheke dauert. Ganz zu schweigen von den Zuzahlungen, den Nebenwirkungen der Medikamente und des Verlustes an Lebensqualität. Zeit ist heute der wertvollste Faktor überhaupt. Blickpunkt: Warum ist Zeit der wertvollste Faktor für Sie? P. Heilmeier: Sie können fast jede Sache der Welt vermehren: unbezahlte Arbeit, Geld, Wohlstand, Armut. Aber Zeit kann nicht vemehrt werden. Das Jahr hat weiterhin 365 Tage, der Tag 24 Stunden und die Stunde 60 Minuten. Blickpunkt: Kann ich durch Krafttraining auch gezielt abnehmen? P. Heilmeier: Abnehmen ist ein Problem des Energiehaushaltes. Zu viel aufgenommene Energie, sprich Kalorien, bedeutet Gewichtszunahme. Mehr Muskulatur bedeutet, wie schon erwähnt, höheren Verbrauch. Also gilt: bei gleicher Kalorienzufuhr grundsätzlich abnehmen. Allerdings werden Sie das zuerst an der Kleidung und nicht auf der Waage merken, weil eben die Fettdepots in Muskulatur umgewandelt werden und die Muskulatur natürlich erst das Fett verbennt. Blickpunkt: Gibt es Funktionen im Körper, die das Abnehmen unterstützen, wenn Ausdauer- und Kraftsport betrieben wird? P. Heilmeier: Sport hat einen direkten Einfluss auf den Hormonhaushalt. Ausdauer- und Kraftsport führen zum Anstieg verschiedener Hormone, z. B. des Wachstumshormons, des Adrenalins und des Noradrenalins. Diese Hormone mobilisieren die Freisetzung von Fett aus den Fettdepots und tragen zu einer größeren Aktivität des Enzyms Lipase bei, das Triglyzeride in Freie Fettsäuren verstoffwechselt. Blickpunkt: Was unterscheidet Kieser Training von Fitnessclubs? P. Heilmeier: Wir haben uns auf die Lösung des Kräftigungsproblems spezialisiert und bringen dabei Therapie und Prävention zusammen. D. h., wir stärken gezielt die Muskulatur, die schwach ist und Ihnen Probleme oder gar Schmerzen verursacht und halten sie dann stark. Ziel ist es, ohne Ablenkung vom Wesentlichen, also jenseits von jeglicher Show, effektiv und zeitsparend den Kunden bzw. Patienten zu möglichst jugendlicher Kraft zurückzuführen. Bei Kieser Training können Sie keine isotonischen Drinks und andere unnötigen Dinge kaufen. Sauna ist bei Krafttraining nicht hilfreich, im Gegenteil. Also haben wir keine. Dazu kommen noch die hohen ökologischen Standards, die durch Werner Kieser vorgegeben werden. Unsere Mitarbeiter absolvieren eine sehr intensive Ausbildung, damit sie dann den trainierenden Kunden höchst kompetent betreuen können. Blickpunkt: Welcher Vorteil ergibt sich aus einem konsequenten langfristigen Training für den Einzelnen? P. Heilmeier: Kieser Training bedeutet Steigerung und Erhalt der Leistungsfähigkeit mit unterschiedlichen auf den Einzelnen zugeschnittenen Gewichten und Intervallen. Wenn Sie das Training konsequent durchführen und Ihre Muskulatur erhalten, haben Sie eine gute Chance, gesund, aufrecht und weitgehend ohne Pflegebedürftigkeit ins Alter zu gehen und gesund zu bleiben. Schon im Jahr 1907 sagte J. P. Müller, einer der Vordenker des gezielten Krafttrainings: «Wer keine Zeit hat, seinen Körper zu üben, hat früher oder später Zeit, krank zu sein.» Blickpunkt: Was ist Ihre Meinung zu Wellness- und Entspannungsangeboten? P. Heilmeier: Da hab ich ein schönes Zitat von Werner Kieser: «Wer sich frisch fühlt, der arbeitet oder ist aktiv; wer müde ist, gehört ins Bett. Die Anspannung ist ein Akt des Willens; die Entspannung im eigentlichen Sinn folgt von selbst. Sie ist das Ablassen von der Spannung, deren automatische Folge wie etwa das Ausatmen jene des Einatmens ist. Unterm Strich macht es Spaß und man fühlt sich danach wohl. Sonst nichts.» Blickpunkt: Könnte man zusammengefasst sagen: Krafttraining müsste eigentlich ein Teil der Gesundheitsreform sein? P. Heilmeier: Stimmt genau. Mit einem ähnlichen Spruch wirbt auch Kieser Training. Ich denke, in Zukunft wird immer mehr Selbstverantwortlichkeit im Gesundheitswesen von uns verlangt, damit wir die Kosten weitgehend auf die wichtigen Sofortmaßnahmen, z. B. Unfälle, reduzieren können. Aber es macht auf alle Fälle mehr Vergnügen, gesund und kraftvoll durchs Leben zu gehen, als sich schwach und krank über die Runden zu retten. Ich lade alle Ihre Leser ein, uns mit dem beigefügten Gutschein zu testen und sich auf ein neues Lebensgefühl einzulassen. Blickpunkt: Vielen Dank für das Gespräch

P. Heilmeier: Gerne 

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