Der Ingolstädter Architekt Franz Madl plante und baute das GVZ
Der 52-jährige Diplom-Ingenieur und Architekt Franz Madl ist Geschäftsführer des Planungsbüros pbb in Ingolstadt. Der gebürtige Erdinger machte sich 1990 selbstständig und realisierte zusammen mit Geschäftspartnern als erstes Projekt die Reha-Klinik in Kipfenberg. Es folgten Arbeiten im Wohnungs- und Gewerbebau. Seit 1995 ist Madl mit dem Güterverkehrszentrum und seinen Erweiterungen beschäftigt. Bei pbb arbeiten 55 Mitarbeiter, darunter sechs Auszubildende.
Herr Madl, arbeitet der Architekt von heute noch mit Stift und Papier?
„Ja, ich arbeite noch sehr gerne mit Stift und Papier. Tablets, wie das Ipad, sind für unsere Zwecke noch nicht bedienerfreundlich genug. Gerade Skizzen von Ideen zeichne ich lieber ganz traditionell.“
Wie sind Sie zum GVZ gekommen?
„Als ich damals die Ausschreibung der IFG gesehen habe, habe ich mir gleich Gedanken gemacht, wie wir uns einbringen können. Ich hatte dann die Idee zu einer Arbeitsgemeinschaft mit einigen regionalen Firmen. Wir haben zusammen einen Entwurf gemacht und ein Angebot vorgelegt – und den Zuschlag bekommen.“
Wie lange wird Sie das GVZ noch beschäftigen?
„Das kann man sehr schwer sagen. Irgendwann hat es ja mal geheißen, wenn die Hallen L bis O stehen, ist Schluss. So, wie es jetzt aussieht, denke ich, dass wir noch die nächsten drei bis vier Jahre mit dem GVZ zu tun haben werden. In gewisser Weise ist das logistische Konzept des GVZ auch eine Art Pilotprojekt, das vielleicht auch noch an dem ein oder anderen Audi-Standort umgesetzt wird.“
Bei der Halle Q des GVZ spielt Holz als Baustoff eine große Rolle. Die Bauweise wurde bereits als „spektakuläres Großbauwerk“ gelobt. Wie kam es dazu?
„Wir experimentieren immer mit Materialien. Schon 1995 haben wir eine Halle für einen Küchenhersteller mit der Beton-Stahl-Holz-Bauweise realisiert. Die Frage ist: Unter welchen Voraussetzungen ist welches Material am besten geeignet? Das muss man immer im Fokus haben. Im GVZ haben wir – über alle drei Bauabschnitte gesehen - das größte Holzbauprojekt in Europa, also die größte Menge Holz, die verbaut wurde. Ein ausschlaggebender Punkt war die große Spannweite von über 60 Metern, die Holz in Verbindung mit Stahl prädestiniert. Zusammen bilden beide Materialien das geringste Eigengewicht aus der Konstruktion – und sind auch noch gut zehn Prozent günstiger als jede andere Konstruktion. Bei diesen Flächen macht das schon viel aus.“
Die „Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen“ verleiht Ihnen ihr Zertifikat in Gold für die Halle Q des GVZ...
„Darüber freuen wir uns sehr. Da gab es einen umfangreichen Kriterienkatalog, den es zu erfüllen gab: Vom Materialeinsatz, über Energie und Baustellenlogistik bis hin zu sozialen Aspekten. Bereits im letzten Jahr haben wir das Vorzertifikat bekommen. Und nachdem jetzt alles umgesetzt und nachgewiesen ist, bekommen wir im Oktober auf der EXPO Real in München den begehrten Preis.“
Welcher Baustil der Vergangenheit gefällt Ihnen besonders gut?
„Ganz klar: Der Bauhausstil mit dem Credo ´Form follows function´. Ich bin nicht so der Künstlerarchitekt, sondern eher ein Funktionalist. Bei mir entsteht alles aus Konstruktion, Wirtschaftlichkeit und Nutzen heraus – und erst dann kommt die Gestaltung hinzu. Ein besonders gelungenes Bauwerk ist meiner Meinung nach das Mercedes Museum in Stuttgart.“
Sie haben auch ein Büro in Berlin. Wie kam es dazu?
„Ja, seit Februar haben wir auch ein Büro mit zehn Mitarbeitern in Berlin. Wir konnten in der Hauptstadt einen Bauherren gewinnen und bauen für diesen in der Nähe des Auswärtigen Amtes Luxuswohnungen. Das wird sicher eine der teuersten Immobilien der Stadt werden.“
Woran arbeiten Sie im Moment noch?
„Momentan arbeiten wir auch an einem Kaufhaus für Peek & Cloppenburg in Kassel. Für Audi haben wir das Gebäude N60 realisiert. Der Karosserie-Rohbau hat eine Fläche von 80.000 Quadratmetern.“
Das ist ja eine große Bandbreite. Was machen Sie denn am liebsten?
„Ich mache alles gleich gern, die Mischung macht´s. Jedes Projekt bringt neue Herausforderungen mit sich. Wir haben ein sehr großes Tätigkeitsfeld. Jede neue Aufgabe reizt mich. Das ist auch das Schöne an unserem Beruf. Die Frage ist immer: Wer wird das Gebäude nutzen und was sind dessen Bedürfnisse?“
An welchen Projekten in Ingolstadt arbeiten Sie gerade?
„Für die Pionierkaserne machen wir gerade eine Grundsatzstudie über die Eckbebauung, also für den gewerblichen Teil. Am Kongresszentrum sind wir durchaus interessiert, aber da kommt es jetzt ganz darauf an, wie dieser Auftrag vergeben wird.“
Bautechnisch gesehen: Wo müsste in Ingolstadt etwas getan werden?
„Der Hauptbahnhof ist ein altes Thema, das meiner Meinung nach zu stiefmütterlich gesehen wird. Was jetzt am Nordbahnhof passiert ist, finde ich ein wenig schade, da wurde der Bahnhof als solches zu weit in den Hintergrund gestellt. Jetzt dominiert zu sehr die Rampe vom Parkhaus. Ich finde, die Idee einer Stadtbahn vom Hauptbahnhof über den Nordbahnhof zur Audi ganz charmant. Ich denke auch, dass die Untertunnelung der Schlosslände die einzig wahre Lösung ist. Die Straße schneidet die Stadt doch von der Donau ab. Man sieht nichts vom Fluss. Ich könnte mir auch eine Bebauung des Donauufers – natürlich mit einer gewissen Durchlässigkeit – vorstellen. Man könnte unten Terrassen bauen und oben Luxuswohnungen oder Ähnliches. Das stelle ich mir sehr interessant vor.“
(Interview: hk/tm)










