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Mittwoch, 23 Mai 2012

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„Alles vom Knie abwärts“

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deiserhandwerk

Handwerk in der Region. Orthopädieschuhtechniker Thomas Deiser



Nach Metzger, Bäcker und Uhrmacher stellen wir nun das Handwerk des Orthopädieschuhtechnikers vor. Entstanden ist dieses Gesundheitshandwerk in der Nachkriegszeit aus dem Traditionshandwerk der Schuhmacherei. Orthopädie-schuhtechnik ist eines der fünf Gesundheitshandwerke. Darunter fallen außerdem Augenoptiker, Hörgeräteakustiker, Zahntechniker und Orthopädiemechaniker.

Thomas Deiser ist mit dem Handwerk aufgewachsen. Bereits seit 52 Jahren gibt es das Geschäft in der Ingolstädter Innenstadt. Schon als kleiner Junge verbrachte er seine Zeit bei schlechtem Wetter in der Werkstatt seines Vaters. „Orthopädieschuhtechniker interessiert alles vom Knie abwärts“, erklärt Thomas Deiser und nennt Beispiele, wie orthopädische Maßschuhe und Einlagen, Veränderungen an Konfektionsschuhen, Bandagen und Kompressionsstrümpfe. Der Traditionsbetrieb bietet neben der eigenen Produktion auch „Schuhe von der Stange“, die nach gesundheitlichen und medizinischen Aspekten verarbeitet sind, im Ladengeschäft im Erdgeschoss an. „Alle diese Schuhe sind auch für Einlagen vorbereitet“, betont Deiser. Im Sortiment finden sich auch die sogenannten MBT-Schuhe, die durch ihre rundliche Sohle zwar auffallen, dennoch aber die Haltung des Patienten bewiesenermaßen positiv beeinflussen.

Thomas Deiser übernahm die Leitung des Betriebs 1994. Zuvor absolvierte er eine Ausbildung zum Orthopädieschuhtechniker und schloss nach seiner Gesellenzeit 1988 als Bester Bayerns mit dem Meister ab. In den vergangenen Jahren hielten immer mehr moderne Techniken, Messverfahren und Herstellungsverfahren Einzug in die Branche.

Mit modernster Computertechnik ist das Vermessen des menschlichen Körpers kaum noch ein Aufwand. Derzeit befindet sich das Obergeschoss des Betriebs in einer Umbauphase – schon in den nächsten Wochen bietet Deiser eine Körperstatikanalyse mit spezieller Rückenanalyse an. „Doch alle Technik ersetzt nicht die Erfahrung und das Können. Der Computer, der den Fuß dreidimensional erfassen kann, weiß dennoch nicht, wie die Form des Schuhs oder der Einlage sein muss, um eine optimale Unterstützung beziehungsweise Entlastung zu gewährleisten“, erklärt Deiser fachmännisch.

In der angeschlossenen Werkstatt werden die Messdaten des jeweiligen Kunden ausgewertet und Schritt für Schritt in einen Maßschuh oder eine orthopädische Einlage umgearbeitet. Bis ein Paar Maßschuhe fertig ist, dauert es bis zu 35 Stunden. Zuerst müssen die Leisten hergestellt werden, danach kommt die Fußbettung dran. Um das Lederoberteil herstellen zu können, müssen nun Schablonen der einzelnen Teile erzeugt werden. Die Kundschaft hat viele verschiedene Lederarten und Modelle zur Auswahl. Natürlich kommen die Form und das Design des Schuhs immer auch auf den Zweck, den er erfüllen soll, an. 95 Prozent der Lederoberteile werden im Haus hergestellt. Sie bestehen zumeist aus Kalbsleder, weil dieses am strapazierfähigsten sei, so Deiser.

 

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