Masterplan für Ingolstadt
(msc) Wenn alles so läuft, wie IN-City-Chef Thomas Deiser sich das vorstellt, dann könnte Ingolstadt bald ein professionelles Konzept in Händen halten, wie man die Innenstadt wieder attraktiver machen kann.
Und dieses Konzept soll von der Cima kommen, einem angesehenen Kompetenzzentrum für Stadt- und Regionalentwicklung, mit dem die Stadt bereits mehrfach zusammengearbeitet hat.
Nach gut einem halben Jahr Diskussion über die Kosten ist jetzt der Auftrag an die Cima vergeben worden, einen realisierbaren Fahrplan für die Rettung der maroden Ingolstädter Innenstadt zu erarbeiten. „Wir sind weder Innenstadtentwickler noch Marketingexperten“, begründet Deiser die Entscheidung, einen Profi von außen zu engagieren. Die ersten Gespräche sind bereits terminiert.
Aber auch alle anderen Ingolstädter Ideengeber will Thomas Deiser mit einbinden: „Mir geht es um die Zusammenführung aller Vorschläge.“ Und da gehört für ihn auch die Aktion Innenstadt dazu, zumindest die „gemäßigten Kräfte“, wie er es formuliert. Und mit denen habe er sich bereits ausgetauscht.
Die Kosten für den Masterplan in Höhe von 23 000 Euro übernimmt die Stadt, die gerade beim Thema Innenstadt in besonderem Maße in der Kritik steht. Denn ihr wirft man vor, die City zugunsten von Westpark und anderen Großprojekten wie beispielsweise dem GVZ II zu vernachlässigen. Sowohl IN-City als auch Gruppierungen wie die „Aktion Innenstadt“ sähen, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen, das Thema Innenstadt gerne weiter oben in der Prioritätenliste der Verantwortlichen.
Für den Oberbürgermeister ist diese Kritik nicht nachvollziehbar. „Wir wollen die Fußgängerzone attraktiver machen und vom Charme der 70er Jahre befreien“, so Alfred Lehmann, „daneben haben wir bereits eine ganze Reihe von Innenstadtstraßen umgestaltet. Und dieses Programm soll weitergehen.“ Unterrepräsentiert sieht er das Thema nicht: „Wir tun viel für die Innenstadt.“
Wie weit die Wahrnehmungen gerade in diesem Punkt auseinanderklaffen, verdeutlicht der
Satz eines der Mitglieder der Aktion, der klipp und klar sagt: „Wenn es eine Erkenntnis gibt, dann die, dass wir unsere Ziele mit dieser Stadtführung nicht hinbekommen.“
Harte Fronten
Es ist bereits viel Porzellan zerbrochen worden zwischen der Stadtverwaltung, Teilen des Stadtrates, IN-City und den Bürgern, die sich in Aktionsgruppen formieren, um ihren Ideen für ein lebens- und liebenswertes Ingolstadt Geltung zu verschaffen. Auch wenn Thomas Deiser von IN-City am liebsten „alle mit im Boot“ hätte, die sich Gedanken machen beispielsweise zur Aufwertung der Innenstadt, so scheint es doch grundsätzliche Differenzen zu geben.
Als Mitglied der CSU und Vorsitzender des Bezirksausschusses Mitte kann und will er selbstredend nicht mit allen Mitgliedern der Aktion Innenstadt auf Tuchfühlung gehen. Mit
Innenstadtapotheker Stephan Kurzeder schon. Den sieht er als gemäßigt, als einen, mit dem man reden kann. Und der ist zudem selbst Mitglied bei IN-City. Obschon Kurzeder einräumt: „Wir sind in vielen Dingen nicht einer Meinung.“ Die Parkplätze in der Theresienstraße seien so ein Punkt.
Und selbst wenn er ein arrivierter Geschäftsmann ist, fühlt er sich durch seine Aktivitäten bei der Aktion Innenstadt dennoch der „roten Liste“ zugehörig, der Gruppe der Störenfriede, die bei den politisch Verantwortlichen nicht so gerne gesehen werden.
Wie groß die Chance wirklich ist, dass bei diesem Thema alle an einem Strick und im Idealfall auch noch in die selbe Richtung ziehen, lässt sich an der Äußerung eines anderen Mitgliedes dieser Aktionsgruppe ablesen: „Es sind einfach schon zu viele Dinge passiert, die die Bürger nicht mehr akzeptieren. Die Unzufriedenheit ist da, und sie ist groß.“ Und während der Oberbürgermeister bekundet, offen für alle Ideen zu sein, sieht die Aktion Innenstadt darin kaum noch einen Sinn. „Es ist längst nicht mehr das Ziel der Aktion Innenstadt, mit der Stadtführung zu reden. Das Ziel ist es vielmehr, das Wahlergebnis 2014 zu versauen.“ Es wird also ganz offensichtlich nicht ganz einfach werden, „alle Kräfte zu bündeln“, wie Thomas Deiser und auch Stephan Kurzeder – aus jeweils anderer Perspektive – es gerne hätten. Immerhin spüren beide, dass „in dem Thema unglaubliche Bewegung“ ist. Und die Tatsache, dass die Stadt das Cima-Gutachten bezahlt, belegt, dass die Relevanz dieses Themas auch den politisch Verantwortlichen bewusst ist.










