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Mittwoch, 23 Mai 2012

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Geplatzte Millionenträume

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Wie teuer es werden kann, wenn man gegen seine eigene Bank „wettet“, das müssen derzeit einige Ingolstädter Mittelständler und Ärzte schmerzvoll erfahren. Durch so genannte Swap-Geschäfte, die ihnen als „aktives Zinsmanagement“ angepriesen worden seien, sehen sie sich jetzt mit der Tatsache konfrontiert, dass sie durch diese Verträge plötzlich mit bis zu zehn Millionen Euro in der Kreide stehen. Und nach unten gibt es keinerlei Grenze.
Sieben reiche Mandanten aus Ingolstadt vertritt alleine der Münchner Fachanwalt Michael A. Leipold derzeit gegen die Hypovereinsbank. Die Summe, um die es geht, beläuft sich auf rund 150 Millionen Euro. „Die Ingolstädter Anlageberater haben da wohl besonders nachhaltig gewildert“, so Leipolds Einschätzung. Davon indes weiß Hartmut Pfeiffer, Pressesprecher der Hypovereinsbank in München, nichts: „Ich kann das nicht bestätigen. Zumindest sind bislang keine Klagen eingegangen.“  „Das ist eine glatte Lüge“, meint Fachanwalt Leipold aus München zu dieser Behauptung, „alleine von unserer Kanzlei gibt es ungefähr 30 Klagen. Davon sind bereits drei mit rechtskräftigen Urteilen beendet. Und aus Ingolstadt gibt es ebenfalls acht laufende Verfahren.“ Dass das Risiko bei derartigen Geschäften in der Tat grenzenlos ist, bestätigt auch Hartmut Pfeiffer: „Wer Währungsgeschäfte macht, hat immer das Risiko, dass sich bei veränderten Bedingungen auch die Bilanz ändert, ins Plus oder ins Minus“, so der Hypo-Pressesprecher, „deswegen machen ja Firmen oder auch Privatleute solche Verträge.“ Es handle sich letztlich um Instrumente des Zinsmanagements und die werden in Schweizer Franken abgeschlossen. „Warum hat man das gemacht? Weil der Schweizer Franken von 1949 bis 2008 extrem stabile Kurse hatte. Als dann allerdings die Eurokrise kam, hat sich natürlich auch der Kurs des Franken verändert“, begründet Pfeiffer die derzeitige Situation der Hypo-Kunden, die jetzt mit herben Buchverlusten dastehen.
„Man kann wirklich Haus und Hof verlieren“, erläutert Anwalt Leipold das Risiko, das in diesen hochspekulativen Geschäften steckt und hat sich vorgenommen, diese Verträge per Gericht „rückabwickeln“ zu lassen, seine Mandanten aus der gefährlichen Schuldenfalle zu befreien. Denn in keinem paarFall seien sie auf das grenzenlose Risiko dieser Geschäfte hingewiesen worden. „Während wir hier telefonieren, können die Millionen verlieren.“
Was die mangelnde Beratung betrifft, widerspricht Hartmut Pfeiffer, Pressesprecher der Hypoverinsbank in München, ganz energisch: „Natürlich beraten wir unsere Kunden. Das ist doch vollkommen klar. Mal unter uns, wenn es fünf oder sechs Jahre lang gut läuft, beschwert sich keiner. Wenn sich aber die Bedingungen ändern, dann ist plötzlich die Bank schuld und man selbst hat von nichts gewusst. Wir haben es hier mit Firmen- oder Finanzchefs zu tun. Und die sollen keine Ahnung gehabt haben, dass ein Währungsrisiko ein Währungsrisiko ist?“
Michael A. Leipold will allerdings nicht nur wegen falscher oder fehlender Beratung gegen die Hypovereinsbank klagen, sondern auch, weil diese Verträge schlichtweg „sittenwidrig“ seien. Dies entspricht, so der Münchner Anwalt, auch der Auffassung des Bundesgerichtshofes. Immerhin hätten zwei seiner Mandanten aus Ingolstadt derartige Geschäfte mit Bezugsgrößen von 45 Millionen Euro abgeschlossen.
„Das Klientel waren die besten Kunden der Hypovereinsbank. Man hat diese Produkte ausschließlich an solche Leute verkauft, von denen die Bank genau wusste, wenn die ein paar Millionen Euro Verlust machen, dann können die das auch bezahlen“, beschreibt Leipold die betroffenen Ingolstädter Mittelständler, von denen einige, müssten sie die Verluste jetzt realisieren, in ihrer Existenz bedroht wären.
Auch in diesem Punkt ist von der Hypovereinsbank keine Bestätigung zu bekommen. In der Filiale Ingolstadt werden wir sofort nach München verwiesen, und dort heißt es zu diesem Punkt lediglich: „Da kann ich nichts dazu sagen. Bringen Sie mir einen konkreten Fall, dann können wir darüber reden. Aber ohne Namen, was soll ich da sagen?“
Und die kann und darf Rechtsanwalt Leipold selbstredend nicht nennen. Immerhin scheint seine Kanzlei bei der Hypovereinsbank bestens bekannt zu sein: „Ah ja, der Herr Leipold macht Reklame. Der braucht Mandanten.“
Bei diesen Swap-Geschäften handelt es sich um die „komplizierteste Geschichte, die es im Augenblick im Bankrecht gibt“, so der Anwalt, „dagegen sind Aktien Pippikram.“ Bei den Fällen in seiner Kanzlei handle es sich fast ausschließlich um Währungsswaps, vereinfacht gesagt um Wetten auf Kursentwicklung und die Differenz zwischen Euro und Schweizer Franken. Der „Wettpartner“ seiner Mandanten sei in aller Regel die Bank. Das bedeute, verliere der Kunde, gewinne die Bank. Deswegen wären seine Mandanten, wenn sie denn Gewinne gemacht hätten, regelmäßig aufgefordert worden, diese Gewinne zu realisieren und dafür ein neuen, vermeintlich besseren Vertrag abzuschließen, der dann „so richtig schlecht lief.
Und der negative Marktwert dieser hochspekulativen Papiere ist laut Leipold noch längst nicht alles. Bei den so genannten CRS, wie die Abkürzung für eines dieser Swap-Derivate lautet, mache die Bank nicht nur gleich bei Abschluss „einen Gewinn im hohen sechsstelligen Bereich.“ Seine Schanzer Mandanten müssten bei einem Vertragsvolumen von fünf Millionen Euro jedes Quartal zusätzlich noch 500 000 Euro an die Hypobank zahlen. Immerhin zwei Millionen Euro pro Jahr.
Pressesprecher Hartmut Pfeiffer sieht die Schuld für das momentane Dilemma allerdings nicht bei der Bank: „Sie glauben doch nicht im Ernst, dass ein Firmenchef Verträge unterzeichnet, ohne sich vorher ausführlich beraten zu lassen. Wenn das tatsächlich so wäre, dann frage ich mich, wer da unverantwortlich handelt.“
Verständlich jedenfalls, dass Leipolds Ingolstädter Mandanten nichts anderes wollen, als aus diesen Verträgen auszusteigen. „Sie haben bei diesem Finanzinstrument ein unbegrenztes Verlustrisiko. Ein Auffangnetz gibt es nicht“, so der Anwalt, der nicht ohne Stolz verkündet, noch keinen einzigen Fall gegen die Hypovereinsbank verloren zu haben (entsprechende Urteile liegen uns in Kopie vor).
Die Mandanten, die Leipold vertritt, da ist sich der Fachanwalt sicher, sind nur die Spitze des Eisberges. „Viele haben Bedenken, gegen ihre Hausbank vorzugehen“, glaubt er, „da gibt es sicher ein  Kollegen, die auch noch geschädigte Mandanten haben.“ Zudem sind auch andere Banken betroffen, die diese Finanzinstrumente vertrieben haben und auf die ebenfalls eine Welle von Schadensersatzklagen zurollen könnte. (msc)

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