Klinikum Ingolstadt mit neuen Rekordmarken
Ärztestreik, neue Kooperationen, Neu- und Umbauten: das Jahr 2010 war für das Klinikum Ingolstadt wieder sehr ereignisreich und endet wohl mit neuen Rekordzahlen: Denn das alte Jahr dürfte für das Klinikum Ingolstadt mit neuen Bestmarken in Sachen Belegung und Patientenzahlen zu Ende gehen.
Auch der Umsatz wird sich erneut auf höchstem Niveau bewegen. Mehr als 194 Millionen Euro Umsatz peilt das Schwerpunktkrankenhaus mit seinen Töchtern an, wie Geschäftsführer Heribert Fastenmeier in seiner Bilanz mitteilte. Spuren hinterlässt dagegen der Ärztestreik: Mit rund zwei Millionen Euro belastet der Ausstand in 2010 die seit Jahren ausgeglichene finanzielle Bilanz des aufstrebenden Klinikums.
Die Millionen schwere Sonderbelastung aus dem Medizinerstreik - Ärzte hatten im Rahmen bundesweiter Streiks auch in Ingolstadt im Sommer zum Teil die Arbeit niedergelegt - gliedert sich in 800.000 Euro Mindereinnahmen durch sinkende Fallzahlen an den Streiktagen und eine -zweite Welle- von weiteren rund 1,2 Millionen, die sich laut Fastenmeier aus einem für ihn sehr unerfreulichen Grund ergeben: Während der Streiktage kommt es naturgemäß zu personellen Engpässen. Ärzte- und Pflegepersonal haben dadurch nicht mehr genügend Zeit, die behandelten Fälle ausreichend zu dokumentieren, da die Patientenversorgung immer Vorrang habe. Eine detaillierte Dokumentation der Behandlung aber ist die Grundlage dafür, dass die Krankenkassen die Leistungen entsprechend bezahlen.
„Eine Nachdokumentation ist nicht möglich, auch wenn bestimmte Leistungen nachweisbar erbracht wurden“, sagt Fastenmeier. Die Krankenkassen rechnen daher die Leistungen nicht in voller Höhe ab. Trotz der erheblichen finanziellen Konsequenz, die seinem Haus damit erstmals seit Jahren ein nennenswertes Defizit in eben jener Höhe von rund zwei Millionen Euro bescheren könnte, ist Fastenmeier sehr zufrieden mit der Entwicklung seines Hauses im ablaufenden Jahr. Das Klinikum sei auf einem guten Weg, wie der Geschäftsführer in einer umfassenden und faktenreichen Präsentation vor zahlreichen Pressevertretern beim Jahrespressegespräch belegte.
Umsatz nahe 200 Millionen-Euro-Grenze und Neueinstellungen
Dennoch werde sein Haus einen Umsatz von deutlich über 194 Millionen Euro erzielen, so Fastenmeier. Aber nicht nur im Hinblick auf seine Leistungen und Finanzen wächst das Klinikum, sondern auch im Hinblick auf seine Mitarbeiterzahlen. Obwohl im vergangenen Jahr im Rahmen der Inbetriebnahme der neuen Praxis für Strahlentherapie am Klinikum rund 30 Mitarbeiter aus dem Klinikum selbst zu dem neuen Kooperationspartner auf dem eigenen Gelände gewechselt waren, stieg die Zahl der Mitarbeiter weiter an: Rund 70 neue Arbeitsplätze sind im Klinikum entstanden, sodass das Schwerpunktkrankenhaus mit inzwischen schon über 3300 Mitarbeitern weiterhin einer der größten Arbeitgeber in der Region bleibt. Das Klinikum plane zudem, durch verschiedene Maßnahmen als Arbeitgeber noch attraktiver zu werden und so auch wie bisher dem Fachkräftemangel in vielen medizinischen Berufen zu trotzen.
Die positive Entwicklung bei den Mitarbeiterzahlen soll sich auch in diesem Jahr fortsetzen: Im Pflegebereich sollen 37 neue Stellen entstehen, wie Fastenmeier zusagte. „Wir wollen damit insgesamt die Pflege für unsere Patienten ein Stück verbessern und gleichzeitig unsere Mitarbeiter in ihrer Arbeitsbelastung entlasten“so der Geschäftsführer. Sorgen machen dem erfahrenen Geschäftsführer vor allem wegfallende Stellen in einem anderen Bereich: Mit der frühzeitigen Aussetzung der Wehrpflicht werden auch die 50 Zivildienststellen im Klinikum entfallen und eine schmerzliche Lücke hinterlassen, wie Fastenmeier betonte - wenn sie nicht adäquat ersetzt werden können. Denn im Klinikum setzt man diesbezüglich, wie auch in vielen anderen Kliniken oder sozialen Bereichen, auf den dafür neu eingeführten Bundesfreiwilligendienst, der den Zivildienst ablösen wird. Natürlich hoffe man auf entsprechenden Zuspruch an Freiwilligen, so Fastenmeier, aber „da ist es jetzt noch zu früh, etwas darüber zu sagen“.
In Richtung einer regionsübergreifenden Zusammenarbeit mit den anderen Krankenhäusern, wie sie die Kliniken in den Landkreisen Eichstätt und Pfaffenhofen derzeit prüfen, zeigte sich Fastenmeier grundsätzlich offen. „Wir können uns als Partner grundsätzlich alles vorstellen“, so der Geschäftsführer. Allerdings handle es sich bei dem neuen Vorstoß um eine ähnliche Zusammenarbeit, wie sie im Mittelbayerischen Krankenhausverbund bereits existiere, so Fastenmeier. Es seien die gleichen Krankenhäuser, nur eine andere Rechtsform. Er halte zudem wenig davon, eine Kooperation zu gründen, deren Umrisse und Ausmaße bisher noch gar nicht klar seien, ließ er durchblicken. „Wir versuchen vielmehr, vorher Ziele zu formulieren und die Ausgestaltung zu besprechen“, sagt Fastenmeier. Denn es gebe viele offene Fragen. Das reiche beispielsweise von Fragen, ob es nachher nur noch eine zentrale Personalabteilung geben solle, oder an welchem Standort welche medizinische Leistung in welcher Qualität erbracht werden solle bis hin zu Entscheidungen, wo beispielsweise eine Kardiologie vorgehalten werden solle. Zudem hänge vieles auch von der Krankenhausplanung und den Entscheidungen des Gesundheitsministeriums ab.
Neue Kooperation mit Kreiskrankenhaus Schrobenhausen?
Dennoch sei das Klinikum immer offen für Gespräche über eine Zusammenarbeit in jeglicher Form. Als Beispiel für eine gelungene Kooperation nannte der Geschäftsführer die seines Hauses mit den Kliniken St. Elisabeth in Neuburg. Während Neuburger Ärzte im Klinikum im Bereich der Neonatologie und der Kindermedizin tätig sind, sind Ingolstädter Spezialisten in Neuburg in der Schlaganfallbehandlung vor Ort - nur ein Beispiel für über 100 Kooperationen, die das Klinikum Ingolstadt mit unterschiedlichsten Partnern pflegt. Und die nächste Kooperation soll schon bald folgen: Das Klinikum will in Zukunft auch mit dem Kreiskrankenhaus Schrobenhausen zusammenarbeiten, wie Fastenmeier andeutete. Mehr dazu wird sicherlich das neue Jahr bringen, in das das Klinikum Ingolstadt mit frischem Schwung gehen will.
Das wird auch wieder bauliche Veränderungen mit sich bringen. Nachdem in diesem Jahr bereits der Strahlenbunker fertiggestellt und der Umbau der neuen Notfallklinik im Klinikum weitgehend abgeschlossen werden konnte, beginnt 2011 bereits das nächste große Bauprojekt am Klinikum: In unmittelbarer Nähe zum Klinikum soll der Neubau des Pflegeheims entstehen, das in Kooperation mit der Heilig-Geist-Spitalstiftung betrieben werden und den Gesundheitscampus rund um das Klinikum abrunden soll. Aber auch das Klinikum selbst wird in den kommenden Jahren und Jahrzehnten zumindest in seinem Innenleben sein Gesicht verändern. Denn die Generalsanierung wirft bereits ihre Schatten voraus. Dieses zentrale Mammutprojekt der Zukunft wird sicher noch viele Jahrespressekonferenzen prägen.










