Morgens um neun ins ÄrzteHaus und mittags nach der Kniespiegelung bereits wieder zu Hause auf der eigenen Couch? Das geht! Ein effektiv geplantes und durchgeführtes Operationsmanagement im ÄrzteHaus macht dies möglich. Und moderne Narkosemethoden sowie zeitgemäß weiterentwickelte Operationstechniken bilden die Basis für ein breites Spektrum an ambulanten Operationen.
Dr. Thomas Ramolla stellt eine typische ambulante Operationssituation dar. Der Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin und MBA leitet das Institut für OP-Management und AmbulantesOperieren. Die Indikation für eine notwendige Operation kommt vom Hausarzt oder den niedergelassenen Operateuren.
Eine OP wird bei uns angemeldet und dann in die Planung mit aufgenommen. Der Patient wird zum Aufklärungsgespräch in das Ambulante OP-Zentrum eingeladen. Bei einem sogenannten Prämedikationsgespräch wird die Narkose oder örtliche Betäubung und der allgemeine Ablauf am OP-Tag besprochen. Dabei geht es um die üblichen Fragen nach vorherigen Krankheiten, welche Medikamente eingenommen werden und ob Allergien vorhanden oder andere mögliche Komplikationen zu erwarten sind. Wir vereinbaren dann den OP-Termin, zu dem der Patient nüchtern erscheinen sollte. Intern wandert die OP durch die Planung, was bedeutet, dass zu diesem Termin ein Fallwagen mit den benötigten Instrumenten genauso bereitsteht wie alle anderen medizinischen Gerätschaften, beispielsweise ein Arthroskopieturm, ein Laser oder ein Mikroskop.
Unser Patient kommt dann am Tag des geplanten Eingriffs eine Dreiviertelstunde vor dem vereinbarten Termin zu uns und wird auf die OP vorbereitet. Ramolla will mit dieser Planung die Wartezeiten so weit wie möglich minimieren. Das computergestützte OP-Planungstool ist eine Eigenentwicklung. Wir haben uns eine Software entwickelt, mit der wir die Operationen sehr umfassend planen und dokumentieren können. Der Patient erhält derweil ein Schließfach, so wie er es aus dem Schwimmbad gewohnt ist, und zieht sich um. Bademantel und Handtücher werden zur Verfügung gestellt. Dann wird der Patient vom Personal in den OP begleitet. Und der Operateur kommt dazu. Die durchschnittliche Dauer einer ambulanten Operation liege bei rund einer Stunde. Aber auch Eingriffe, die eine längere Narkose erfordern - es hat auch schon Operationen gegeben, die über sechs Stunden gedauert haben können ambulant erfolgen. Die modernen Narkosen seien so gut steuerbar, dass der Patient nach etwa einer Stunde im Aufwachraum schon wieder nach Hause entlassen werden kann. Voraussetzung ist natürlich, dass es während der Operation nicht zu zusätzlichen Befunden gekommen ist, die eine stationäre Einweisung notwendig machen. Wenn sich der Patient dann schmerzfrei und fit fühlt, darf er von einem Angehörigen abgeholt und nach Hause gebracht werden. Autofahren darf der Patient am Tag der Narkose nicht mehr Keine Maschinen führen, keine Verträge abschließen. Das ist nach einer Narkose gesetzlich so geregelt.
Wichtig ist dabei, dass das Klinikum Ingolstadt den frisch operierten Patienten zwar aus dem Ambulanten OP-Zentrum entlässt, die Versorgung aber damit nicht enden lässt. Wir stehen weiterhin mit Rat und Tat zur Verfügung. Und am Abend meldet sich unser Anästhesist noch einmal telefonisch bei dem Patienten, um nach dem Rechten zu 'sehen'. Das sei auch wichtig für das Qualitätsmanagement, an dessen Effizienz dem Klinikum sehr gelegen sei. Wir wollen ein Feedback von den Patienten und führen darüber auch Statistiken. Diese postoperative Abendvisite gibt den Patienten zusätzliche Sicherheit und dem Klinikum eine Möglichkeit, den Eingriff auch gleich aus der Sicht des Patienten zu evaluieren. Und dazu gehört nicht nur der Eingriff selbst, sondern die gesamte Dienstleistung rund um die OP.
Ambulantes Operieren bedeutet, dass der Patient schnell wieder zu Hause ist und das mit denselben Sicherheitsstandards wie bei stationären Operationen. Überhaupt sind die ambulanten Operationssäle mit dem gleich hohen Standard wie die Zentral-OPs ausgestattet. Wir nutzen die von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) empfohlenen Sicherheitschecklisten. So ist stets gewährleistet, dass dem richtigen Patienten das richtige Knie im richtigen OP-Saal arthroskopiert wird. Der ambulante Sektor wurde auch dem Krankenhaus geöffnet, sodass inzwischen stationäre Patienten aus dem Klinikum im ÄrzteHaus operiert werden.
Die Operateure in der Ambulanz lassen sich in drei Kategorien einteilen. Zum einen nutzen die Mediziner des Klinikums die Räume. Genauso wie die Operateure des angegliederten medizinischen Versorgungszentrums (MVZ). Außerdem besteht auch für niedergelassene Ärzte ein Operationskontingent, das sie in Eigenregie planen können. Und wir organisieren und koordinieren.
Das Spektrum der ambulanten Operationen ist breit. Wir führen sehr viele laparoskopische Eingriffe (Minimalinvasive Eingriffe mittels optischer Instrumente im Bauchraum) durch. Darüber hinaus sei die Handchirurgie ein weiterer Schwerpunkt. Vier Augenärzte operieren ebenfalls in unserer Ambulanz. Gynäkologische Operationen stehen ebenfalls in der Nachfrage weit oben. Und die Operationen der Hals-Nasen-Ohren-Ärzte sowie die Zahnsanierungen unter Narkose dürfen nicht vergessen werden.
Unsere Patienten kommen aus allen Altergruppen. Neulich hatten wir eine Dame bei uns, die weit über 100 Jahre alt ist und ihren ambulanten Eingriff in Vollnarkose sehr gut vertragen hat, erzählt Ramolla: Außerdem operieren wir sehr viel mehr Kinder als früher. Für die Kinder bedeutet dies, dass sie nicht mehr stationär aufgenommen werden müssen. Sie sehen das Krankenhaus noch nicht mal mehr von innen. Das ÄrzteHaus ist schließlich abgetrennt vom eigentlichen stationären Bereich des Klinikums. Auf die Kinder ist die Ambulanz besonders vorbereitet. Bei uns schlafen die kleinen Patienten mit der Biene Maja ein, lacht Ramolla und verweist auf die technische Ausstattung in den OPs, die es eben auch zulässt, dort Filme direkt am OP-Tisch einzuspielen. Nach der Operation erhalten die Kinder für ihren Mut eine Tapferkeitsurkunde.
Die ambulanten Operationen haben seit 2004 in Deutschland um 30 Prozent zugenommen. Am Klinikum ist diese Rate sogar noch größer. Hatten wir beispielsweise 2003 noch 1200 ambulante Eingriffe zu verzeichnen, sind es heuer schon fast 5000 pro Jahr. Diese Entwicklung kommt auch dem Wunsch der Patienten entgegen, so schnell wie möglich wieder zu Hause zu sein. Dort fühlen sie sich oft einfach wohler, was der Gesundung schließlich hilft. Durch zahlreiche ambulante Eingriffe werden nicht zuletzt auch die Ausgaben gesenkt.
Im Bereich des AmbulantenOperierens stehen fünf Fachärzte, acht Fachpflegekräfte und sechs Arzthelferinnen zur Verfügung - ein professionelles Team, auf das Ramolla sehr stolz ist. Die vier Operationssäle sind nach den neuesten Standards ausgestattet. Im ÄrzteHaus sind wir eigenständig, haben aber trotzdem die direkte Anbindung an den stationären Teil des Klinikums, ein Sicherheitsaspekt, den viele Patienten sehr schätzen.
Egal ob das Knie gespiegelt oder eine Krampfader entfernt werden muss. Durch die konsequente Weiterentwicklung von Narkose und Operationsverfahren, vor allem auf dem Gebiet der minimalinvasiven Chirurgie, sind solche Eingriffe inzwischen ohne stationären Aufenthalt möglich. Nach der Operation in der gewohnten häuslichen Umgebung sein das wird von vielen Patienten sehr begrüßt.
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Montag, 21 Mai 2012
Aktualisiert:07:56:52 AM GMT
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