Freuen sich über den gelungenen Start der „Budis“ im Klinikum Ingolstadt: Ilse Schneider und Werner Büchl Foto: Klinikum Ingolstadt
Nach den "Zivis" sind nun die "Budis" im Klinikum Ingolstadt am Start. Erfreulich viele haben sich gemeldet.
Die anfängliche Skepsis hat sich inzwischen in vorsichtigen Optimismus verwandelt. Während man im Klinikum Ingolstadt nach dem Ende des Zivildienstes anfangs mit nur verhaltenem Interesse an dem neuen Bundesfreiwilligendienst gerechnet hatte, ist die Nachfrage im Ingolstädter Schwerpunktkrankenhaus nur wenige Wochen nach dem Start beachtlich. „Wir sind inzwischen ganz optimistisch, dass wir die Lücken, die die Zivis hinterlassen haben, füllen können”, sagen Ilse Schneider und Werner Büchl, die nach den Zivis nun die Budis betreuen.
Die Zivis haben große Lücken hinterlassen: Seit mit dem Aussetzen der Wehrpflicht auch die Zivildienstleistenden fehlen, wird das von vielen Stellen, insbesondere von sozialen Einrichtungen, regelmäßig beklagt. Vor allem in der Versorgung von alten und kranken Menschen fehlen die meist sehr engagierten jungen Leute. Sie waren mit ihrer frischen Art oft wertvolle Ansprechpartner und leisteten wichtige Arbeit – Arbeit, die nach den Plänen des Familienministeriums in Zukunft die Budis, die Bundesfreiwilligen, so weit wie möglich ausführen sollen.
Im Klinikum Ingolstadt gelingt das wenige Wochen nach dem Start im September im Gegensatz zu vielen anderen Einrichtungen offenbar bereits recht gut. „Wir sind sehr zufrieden mit der Nachfrage. Wir hatten gehofft, dass sich viele junge und gerne auch ältere Frauen und Männer melden, aber mit einer so positiven Resonanz hatten wir nicht gerechnet”, sagt Werner Büchl, der nach den Zivis nun die Budis betreut und sich in seiner geduldigen und fürsorglichen Art um sie kümmert. Rund 20 Budis habe man angefordert, einige von ihnen haben bereits zu arbeiten begonnen. Das ist auch ein Vorteil des Bundesfreiwilligendienstes: Er ist im Gegensatz zum Zivildienst sehr flexibel, was den Beginn und die Dauer angeht. Er kann jederzeit starten und zwischen sechs und 18 Monaten (in Ausnahmefällen sogar 24 Monaten) dauern.
Hoffnung auf 40 Budis
Die Budis können im Prinzip die gleichen Aufgaben übernehmen wie die Zivis oder die Absolventen eines Freiwilligen Sozialen Jahrs (FSJ), wie Ilse Schneider bestätigt. Sie ist Assistentin der Pflegedirektion und Ansprechpartnerin für beide Gruppen im Bereich der Pflege und will den meist jungen Leuten mit Rat und Tat zur Seite stehen. Die ersten Budis haben ihre Tätigkeit bereits begonnen – mit Erfolg, wie Werner Büchl und Ilse Schneider in einer ersten Bestandsaufnahme bilanzieren. Der neue Dienst sei sehr gut angelaufen. Es habe etwas gedauert, bis sich die neue Möglichkeit des Bundesfreiwilligendienstes herumgesprochen habe, aber inzwischen gingen regelmäßig Bewerbungen ein, erzählt Büchl. Er rechnet inzwischen mit insgesamt rund 40 Budis für das Klinikum, die dann die zuvor 51 Zivistellen größtenteils ersetzen sollen.
Erfreulich sei auch, dass unter den Bewerbern nicht nur jüngere Frauen und Männer seien, sondern verschiedene Altersschichten. Die jüngeren dominieren zwar, aber es sei zum Beispiel auch eine Dame mit 58 Jahren dabei, die als ehemalige Zahnarzthelferin nach der Kindererziehung nun wieder etwas Sinnvolles tun wolle, so Büchl. Das tut sie in Zukunft als neuer Budi im Klinikum. Er könne sich auch vorstellen, den einen oder anderen Rentner als Budi zu begrüßen, der sich in seinem Lebensabend für seine Mitmenschen engagieren wolle. „Da spricht überhaupt nichts dagegen, wenn jemand gut ist”, sagt Werner Büchl.
Vor allem aber biete der neue Dienst eine gute Chance für junge Leute, einen profunden Einblick in einen Pflegeberuf zu erhalten, sagt Ilse Schneider. Das dachte sich auch Kevin Lober. Der junge Mann wollte eigentlich schon immer in die Krankenpflege. Nachdem es aber zunächst aus schulischen Gründen nicht klappte, hat er zunächst erfolgreich eine Ausbildung als Koch im Klinikum absolviert. Bevor er mit der neuen Qualifikation im Rücken eine Krankenpflegeausbildung beginnt, schnuppert er seit einigen Wochen als erster Bundesfreiwilliger des Klinikums täglich Praxisluft. Anschließend – da ist er sich sicher – wird er wissen, ob er seinen Traumberuf gefunden hat.
Lebenserfahrung und bessere Berufschancen
Wer sich in dem mehrmonatigen Dienst in der Praxis bewähre, wisse anschließend nicht nur, ob das das richtige Berufsfeld für ihn sei, bestätigt auch Schneider, sondern er habe auch sehr gute Chancen, einen entsprechenden Ausbildungsplatz im Berufsbildungszentrum (BBZ) Ingolstadt zu bekommen. Aber nicht nur in der Pflege, sondern auch in anderen Bereichen, von der Verwaltung über technische Bereiche bis hin zur Öffentlichkeitsarbeit des Klinikums, gibt es Einsatzmöglichkeiten für Bundesfreiwillige.
Die erhalten für ihren Dienst eine Vergütung von insgesamt 580 Euro, können dabei viel Berufs- und Lebenserfahrung sammeln und ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt deutlich verbessern. Denn wer sich freiwillig sozial engagiert und in einem verantwortungsvollen Berufsfeld bewährt, der erfüllt damit auch wichtige Kriterien, die die Personalabteilungen in den unterschiedlichsten Berufsfeldern zu schätzen wissen, wie Heribert Fastenmeier, der Geschäftsführer des Klinikums, bestätigt. Er muss es wissen, schließlich war er lange Jahre der Personalchef des Ingolstädter Schwerpunktkrankenhauses.
Auch er wünscht sich für sein Haus viele engagierte junge und auch ältere Menschen, die wertvolle Arbeit im Dienste kranker Menschen leisten und wichtige Ansprechpartner und damit eine echte Bereicherung für die Krankenhausversorgung sein können. So traurig Ilse Schneider und Werner Büchl über das Ende des Zivildienstes waren, so sehr freuen sie sich nun über einen gelungenen Start seines Nachfolgers im Klinikum. Inzwischen sind sie optimistisch, dass die Budis die Zivis zumindest zu einem großen Teil ersetzen können.










