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Montag, 21 Mai 2012

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„Abitur ist nicht die Lösung aller Probleme“

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Kreishandwerksmeister Hechinger über die aktuelle Wirtschaftslage in der Region, Fachkräftemangel und Weiterbildung Herr Hechinger, wie beurteilen Sie die aktuelle wirtschaftliche Stimmung in der Region?
Max Hechinger:  Die Stimmung ist sehr gut. Insbesondere die Handwerker profitieren von einer sehr guten Auftragslage, und nach langer Durstphase freuen wir uns über eine verbesserte Preissituation.

Das Bauhandwerk profitiert gefühlt derzeit am meisten von der Wirtschaftslage. Können Sie das bestätigen?
Hechinger: Ja, das kann ich bestätigen. Das gilt auch für das gesamte Ausbau-Handwerk und das Baunebengewerbe.

In welchen Branchen ist die aktuelle wirtschaftliche Lage problematisch?
Hechinger: Mir ist keine Branche bekannt. Die Region erfreut sich einer guten Auftragslage. Strukturelle Probleme können jedoch die Stimmung trüben, die wirtschaftliche Situation ist gut.

Wie ernst ist Ihrer Einschätzung nach der Fachkräftemangel in der Region?
Hechinger: Infolge der guten Auftragslage gibt es sicherlich den einen oder anderen Engpass. Aber insgesamt werden alle Aufträge weitgehend zeitnah abgewickelt. Wir bitten die Auftraggeber jedoch um etwas Geduld. Was früher durch Zuruf am nächsten Tag erledigt werden konnte, bedarf jetzt einer gewissen Wartezeit. Im Rohbaubereich können das schon vier bis acht Wochen sein.

Welche Folgen hat das?
Hechinger: Die Kunden werden gebeten, einen entsprechenden Vorlauf einzuplanen und sich rechtzeitig mit den Handwerkern zu verständigen.

Fachkräftemangel – bedeutet das gute Zeiten und freie Auswahl, weil jede Menge Lehrstellen für Azubis?
Hechinger: Für die Arbeitnehmer bedeutet dies natürlich eine Verbesserung der Beschäftigungssituation und alle Unternehmer sind gut beraten, die guten Arbeitskräfte an die Betriebe zu binden. Lehrlinge haben heute eine gute Möglichkeit, sich aus der Vielzahl der angebotenen Lehrstellen den für sie richtigen Beruf auszuwählen.

Was würden Sie der Politik raten, um dem Fachkräftemangel Herr zu werden?
Hechinger: Die Politik kann nicht für alles verantwortlich gemacht werden. Betriebe, die seit jeher ausgebildet haben, haben auch genügend Facharbeiter. Was wir uns wünschen, sind ausbildungswillige und ausbildungsfähige Lehrlinge mit der Bereitschaft, die Chancen der beruflichen Bildung zu nutzen.

Ist da denn in den vergangenen Jahren etwas verschlafen worden?
Hechinger: Die berufliche Bildung ist heute eine gute Basis für eine erfolgreiche Weiterbildung. Durch die verschiedenen Bildungsmöglichkeiten ist es heute möglich, sich vom Lehrling zum Meister oder Ingenieur fortzubilden. Wir appellieren an die Eltern, auch diese Bildungsmöglichkeit den Jugendlichen nahezubringen. Das Abitur ist nicht die Lösung aller Probleme.

Inwiefern kann Weiterbildung gegen den Mangel an Fachkräften helfen?
Hechinger: Natürlich ist jede Form der Weiterbildung gut geeignet, den Mangel an Fachkräften zu mildern. Die Unternehmen sind gut beraten, talentierten Mitarbeitern jede Form der Weiterbildung zu ermöglichen und diese damit zu fördern.
Was raten Sie jungen Leuten, die einen Handwerksberuf ergreifen wollen?
Hechinger: Den jungen Leuten raten wir, durch Betriebspraktika und Schnuppertage die verschiedenen Handwerksberufe und die Firmen kennenzulernen. Das ist eine gute Gelegenheit, den richtigen Handwerksberuf und den richtigen Ausbildungsbetrieb zu finden.

Welche Rolle spielen Weiterbildungschancen Ihrer Erfahrung nach im Handwerk?
Hechinger: Gerade im Handwerk ist es notwendig, die vielen Weiterbildungsmöglichkeiten zu nutzen. Schwere handwerkliche Arbeit ist oft nicht bis zum Rentenalter möglich.

Wo können sich Arbeitnehmer einen Überblick über Weiterbildungschancen verschaffen?
Hechinger: Durch direkte Aussprache mit dem Chef, den Innungen, der Kreishandwerkerschaft und sicher auch über das Internet.

Welche wirtschaftliche Entwicklung erwarten Sie heuer für die Region?
Hechinger: Die Nachfrage nach Bauleistung lässt auch für dieses Jahr eine gute Baukonjunktur erwarten. Die Region 10 ist erfolgreich unterwegs und davon profitieren alle Handwerker. Arbeitnehmern und Arbeitgebern bieten sich gute geschäftliche Perspektiven. (zel)

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